Eine Karate do Geschichte

„Das geheime Prinzip der Kampfkünste ist nicht, den Angreifer zu bezwingen, sondern zu beschließen, einen Zusammenstoß zu vermeiden, bevor er passiert.“ – Funakoshi

Die Historie:

Yongchun gilt als Wiege des Baihequan (Mitte 17. Jahrhundert (um 1660)).

Fang Qiniang, die Tochter des Shaolin Meisters Fang Zhong, vermischte die Bewegungen des Weißen Kranich mit den Prinzipien des Shaolin Kung-Fu zu Baihequan.

Baihequan, eine Kampfkunst, welche hart und nicht hart, weich und nicht weich ist, die Faust des Weißen Kranich.

Im 18. Jahrhundert (1711 – 1799) studierten die besten Schüler, da selbst schon große Meister, von Fang Qiniang die Theorien und Techniken dieser Kampfkunst, welche den Körper kultivierte und beim Volk sehr beliebt schien und somit den Bekanntheitsgrad des Weißen Kranich weiterverbreitet. (1)

Baihequan wurde von den Meistern aus Yongchun in ganz Fujian verbreitet. Es entwickelten sich daraus die fünf Stile des Zonghe, der emporschnellende Kranich, der Fliegende Kranich, Singende Kranich, Schlafende Kranich und der Essende (Pickende) Kranich. (1)

1877 reiste Kanryo Higaonna (Okinawa) nach Fujian um den Stil des Weißen Kranich zu erlernen. (das soll nur Beispielhaft stehen für den regelmäßigen Austausch in den vielen Jahrhunderten) Als er zurückkehrte mischte er Baihequan mit der okinawanischen Kampfkunst Ti (Okinawa-Te). Er übernahm den Geist des Baihequan, alles im Universum atmet hart und weich, der Körper passt sich jederzeit an, Naha-Te war geboren.

Die Kampfkunst aus Fujian nahm einen Einfluss auf das Naha-Te in Okinawa.

In der Tat war es so, dass immer wieder chinesische Abgesandte nach Okinawa kamen und ihre Traditionen und anderen Lebensweisen mitbrachten. Es blieb nicht aus, dass durch den Kontakt mit den Einheimischen auch Kampfkünste weitergegeben wurden, bzw. sich weiterentwickelten als auch vermischten.

Gichin Funakoshi, er selbst hatte das Shorin-ryu als auch das Shorei-ryu gemeistert, einer der Reformatoren des Karate, führte das Systematisieren der Kampfkünste, welches Anko Itosu begonnen hatte, fort. Bis dahin wurden die okinawanischen Kampfkünste in einem familiären Umfeld geübt und neben den Informationen aus dem „Bubishi“ (Bibel des Karate) hauptsächlich mündlich weitergegeben.

Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden viele der heute „moderneren“ Karate Stile. (Grundlage Shorin-Ryu und Shorei-Ryu; daraus Goju-Ryu, Shito-Ryu, Wado-Ryu, Shotokan-Ryu)

Nach 1945 begann eine Teilung des Shotokan-Ryu. Auf der einen Seite stand der Wettkampfsport (Nakayama), auf der anderen Seite die Traditionalisten (Egami).

Shigeru Egami führte den Geist des Karate do nach Gichin Funakoshi fort, bzw. erweiterte das System, welches unter dem Namen Egami-ryu bekannt ist und im Shotokai (Schule des Shoto) geübt wurde. Elemente des Zen Buddhismus sowie esoterische Einflüsse prägen diesen heute noch, in vielen Teilen der Welt, in Europa, besonders in Frankreich und in der Schweiz, weit verbreiteten Stil, das Egami-Ryu. Sensei Shigeru Egami war Nachfolger von Funakoshi im Shotokai.

Shotokan-Ryu, ist das Karate welches heute weltweit am häufigsten geübt wird. Mit der Gründung der JKA 1949 wurde eine Entwicklung unter Führung von Masatoshi Nakayama (*1913-1987) begonnen, welche weniger die traditionellen Inhalte berücksichtigte. Der Wettkampf war von da an die treibende Kraft. Shotokan Karate fokussiert auf die drei Themen, Kata, Kihon und Kumite. Masatoshi Nakayama sagte kurz vor seinem Tod, dass er einerseits den Wettkampf im Karate bedauerte, Gichin Funakoshi war gegen die Entwicklung zum Wettkampfsport, er (Nakayama) jedoch auf der anderen Seite der Auffassung ist, dass genau das dazu beigetragen hat, Karate allen Menschen weltweit zugänglich zu machen.

Unsere Gegenwart:

Sensei Hans Josef Müller (5. Dan; 22.02.2019) kam im Jahr 2000 aus dem Saarland nach Jena. Er unterrichtete in vielen Vereinen (u.a. USV Karate, Shotokan-Dojo-Jena e.V., TuS Jena) das Karate nach Maître Ignatio (Ignatio-ryu).

Heute lehrt Sensei Hans Josef Müller mit seinem Schüler Henri Wirth (2.Dan) sein Karate, welches stark von seinen Lehrern geprägt ist. Zum einen Shotokan Karate von Sensei Roman Adam (7. Dan) und eben das Karate von Maître Armand Ignatio (5.Dan). Einflüsse durch Yoga (Geistig, Wahrnehmung/ Achtsamkeit), Aikido (beweglich, fließend) und Iaido (Präzision) kommen ebenfalls zum Tragen.


Quellenangaben:
(1) http://yongchun-white-crane.eu/de/about-weng-gong-ci
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:KarateStammbaum.svg
(3) http://cvbook.chez-alice.fr/karate/
(4) https://fr.wikipedia.org/wiki/Tetsuji_Murakami
(5) http://www.budopedia.de/wiki/Prinzipien_der_Karate-Kata
(6) https://de.wikipedia.org/wiki/Funakoshi_Gichin#/media/File:
Gichin_Funakoshi_-_Heian_Nidan_(2).png
(7) http:/shaolin-kempo-karate.de/wissenswertes/des%20weg%20des%20stils%20shaolin%20kempo.html
(8) Henning Wittwer – „Shotokan – überlieferte Texte und historische Untersuchungen“ Band I – III
(9) http://www.mushinkai.net/pages/french/
HistoireDuKarateFrenchSite/TetsujiMurakami05French.htm
(10) http://www.dojobern.ch/japanische-meister.html
(11) https://de.wikipedia.org/wiki/Egami_Shigeru
(12) https://shotokai.com/ineffective4/
Maître Armand Ignatio
Sensei Hans Josef Müller
Maître Tetsuji Murakami konnte ich persönlich nicht mehr fragen, ich habe erst Anfang der 1990 Jahre mit Karate begonnen (HW)