Ein Weg zum ersten Dan

Karate do, der Weg der leeren Hand. So wird das immer gesagt …
Ich persönlich sehe das ein klein wenig anders. So leer ist die Hand gar nicht. Auf Grund der nationalistischen Betrachtungen der Japaner um 1900 war nur wichtig, weg von China, weg von Wushu /Kung fu etc. Somit musste der Name China Hand umbenannt werden, wie auch immer …
Eines haben aber beide gemeinsam, den Weg.
Das Üben, der Japaner mehr um die Perfektion zu erlangen und der Chinese mehr um zu meditieren. Am Ende vermischt sich alles und gerade für uns in der heutigen Zeit suchen wir uns raus, was am besten passt. Und mal ehrlich, haben wir das nicht schon immer so gemacht?

Was hat das jetzt alles mit dem Weg zum ersten Dan zu tun?
Die geistige Einstellung ist es. Wir müssen bereit und offen sein uns darauf einzulassen, etwas zu tun um unser Ziel zu erreichen.  Und wir müssen es tun, sonst wird das nichts. Die meisten Menschen scheitern, weil sie nicht anfangen, weitere scheitern, weil sie nicht durchhalten und am Ende sind es wenige, welche zurückblicken und sagen, ich bin am Ziel … und ganz wenige meinen, sie seien auf dem Weg.

Wer sich mit Zielen und Zielerreichung einmal auseinandergesetzt hat, der kennt das, ohne Ziel kein sinnvoller Weg. Und jener wird auch wissen, dass diese Wege nicht einfach sein werden, die da so zu gehen sind. So ist es aber tatsächlich.
Jedoch die Beharrlichkeit zahlt sich aus.

So steht das Ziel, den ersten Dan im Karate do zu erlangen.

Lasst uns einmal eine komplette Betrachtung durchführen, vielleicht eine, welche eine gute, fast perfekte Wegstrecke darstellen kann.

Erste Techniken im Karate do … gedan barei, mae geri, oi zuki, hinzu kommen später shuto uke, tetsui, age uke, dann gyaku zuki, morote uke, uchi uke, sotu uke, otoshi uke, nukite … und so weiter … laut Trainingslehre könnt ihr also anfangen und lernt eure erste Kata, die Taikyoku shodan mit zwei Techniken. Zuerst die Grundtechniken, dann die Kata.
Die Kata selbst darf am Anfang langsamer gehen, wenn sie zwei Minuten dauert, dann ist das so. Später eine Minute, auch ok. Schließlich soll jede Technik im „Hier und Jetzt“ und ordentlich ausgeführt werden. Zehn Mal pro Training, Zehn mal Zwanzig Techniken, plus Grundschule. Jeden zweiten Tag Training. Jetzt könnt ihr ausrechnen, ab wann das Ganze automatisiert abläuft … 1500 bis 3000 Wiederholungen.
Ihr setzt euch immer mehr mit Karate do auseinander und wenn ihr zurückblickt werdet ihr erkennen, wie es sich in eurer Leben eingefügt hat und was es aus euch gemacht hat.
Mit dem richtigen Trainer seid ihr körperlich fit, geistig, also kognitiv, koordinativ und auch wahrnehmungs- und reaktionstechnisch besser. Die ganze Bandbreite des Daseins hat sich positiv angepasst.

Fassen wir kurz zusammen …
– Grundtechniken sauber ordentlich ja fast perfekt
– alle notwendigen Schülerkata, Bunkaiformen
– dazu zumindest bei uns neben der Tekki shodan noch Jion und Kanku dai sowie die Bassai dai
– ihr habt regelmäßig geübt und euer Trainer hat euren Fortschritt beobachtet
– Hikite, Knie Stellung, Hüfte korrekt, Lockerheit und richtige Atmung

…weiter …

Vorbereitung zum 1. Dan:
Als Minimum wird eine Zeit des Übens von einem Jahr angenommen. Wobei hier der Ausgangspunkt der erste Kyu ist.
Im ersten halben Jahr werden zum Anfang Grundtechniken wiederholt geschliffen und perfektioniert. Das geht weiter über die Kihonformen, also Grundschulkombinationen, welche zur Kata passen und ein gutes Verständnis und eine gute Grundlage für die Katas bilden. Neben diesem Training erfolgt das Üben der Kata mit richtiger Atmung und gutem Temporhytmus. Kata Bunkai ist Bestandteil, rückt jedoch noch weit in den Hintergrund. Nach insgesamt zwei Drittel der Vorbereitungszeit sind Grundschule und Kata soweit fortgeschritten, dass nun den Hauptteil der Übungen Kata Bunkai ausmachen.
In der restlichen Vorbereitungszeit wird das komplette Programm, wie zur Prüfung zu zeigen, immer wieder geübt. Am Anfang ist wichtig Korrekturen zu geben, danach nur noch üben um sich selbst wahrzunehmen und Fehler zu minimieren. Ein Monat vorher Intensität etwas runterfahren und weiterüben bis zur – Prüfung!

TIP: Ihr wisst wer euch prüft. Sorgt dafür, dass der Prüfer auch weiss wen er prüft!
Wer es nicht verstanden hat, geht zu Lehrgängen und oder Trainings des Prüfers.

Prüfung:
Zur Prüfung ist die Kata Kanku Dai und Jion zu zeigen. Der Ablauf muß sitzen. Es soll erkennbar sein, dass eine entsprechende Anspannung und Entspannung zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt wird.
Die Techniken der Kata sind vollständig und der Tempoablauf soll stimmen. Also schnelle Zeiten schnell und bei den Zwischensequenzen entsprechend langsamer.
Nach beiden Katas ist Kata Kihon dran. Idealerweise beherrscht der Prüfling insgesamt alle Kombinationen. Zu zeigen sind die Techniken einmal in langsamer Ausführung und danach in realistischer starker Darstellung. Bei den langsamen Techniken soll die Beachtung auf möglichst perfekte Bewegung liegen. Bei den starken Techniken haben Atmung Ablauf und Kime sicher den Vorrang.
Am Ende der Prüfung wird Kata Bunkai gezeigt. Auch hier kann der Prüfer einmal langsame und dann starke Techniken zeigen lassen. Das Augenmerk liegt wie bei Kata Kihon in den genannten Details. Habt ihr das alles geschafft, dann werdet ihr mit Sicherheit den schwarzen Gürtel, ersten Dan bestehen.
Ich möchte aber eines noch mitgeben. Da es sich um eine Prüfungssituation handelt, niemand perfekt ist, kann sicher auch die eine oder andere Situation auftreten, welche an die Grenzen der nervlichen Belastung führt. Unsere Kampfkunst, welche wir viele Jahre üben, wird mit der Zeit immer besser, egal welchen Stand wir zu einem  bestimmten Zeitpunkt hatten. Wichtig ist nicht der Vergleich mit anderen Karateka, sondern das Erkennen der Weiterentwicklung des eigenen Körpers und Bewusstseins.
Somit wird und sollte auch ein Bestandteil der Prüfung der Weg bis zur Prüfung sein. (siehe TIP weiter oben)
Als auch, welche Möglichkeiten hat der Einzelne und wie ist sein Bemühen um seine persönliche Vervollkommnung, geistig und körperlich.

Ignatio Ryu

 

Advertisements